Jan 10, 2026
Gestern war schneefrei gab es aufgrund von Schnee und stürmischen Böen keinen Präsenz-, sondern Distanzunterricht.
Wo ich gerade beim Wind bin, dazu hat Herr Buddenbohm auch etwas geschrieben, und zwar über die Formulierungen der Beaufort-Skala, die wiederum Herr Rau aufgreift, und weiter in die Windspoesie eintaucht.
Als ehemaliges Segler-Kind und Logbuch-Navigator-Wetterbericht-Verpflichtete (die UKW-Stimme verfolgt mich bis heute: "Oooostsüdooost vier bis fünnüf") sind mir die Beaufort-Skala-Formulierungen in ähnlicher Weise bekannt.
Nur der Gartenstuhl auf der deutschen Wikipedia-Seite war mir neu. Etwas irritierend. Daher lohnt sich eine Recherche nach einer Quelle.
Erste Anlaufstelle als Segler: Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (Herausgeber des jährlichen Tidenkalenders). Dort findet man durchaus interessante Fachartikel zur Beaufort-Skala, jedoch keine Beaufort-Skala selbst.
Zweiter Versuch: Der Deutsche Wetterdienst (DWD). Dort finden sich zwei Skalen, eine für die See und eine fürs Land. Schon etwas andere Formulierungen, aber auch kein Gartenstuhl.
Der dritte Versuch führt mich auf die englische Wikipediaseite zur Beaufort-Skala. Dort auch kein Gartenstuhl. Aber bei 6 Bft "telegraph wires". Etwas altmodisch, nicht? (Beim DWD findet man sie übrigens auch). Und "white horses" bei 3-5 Bft, was für ein schönes Bild!
Findet man die Gartenstühle auch im Zusammenhang mit der Beaufortskala irgendwo im Netz? Eine Googlesuche ergibt relativ viele Ergebnisse aus den letzten Jahren, eine Seite auch von 2009. Möglicherweise das Original? Der Inhalt, ein Post in einem Forum, scheint allerdings ein Zitat, vielleicht von Wikipedia, zu sein.
Also zurück zur deutschen Wikipediaseite: Seit wann gibt es die "Gartenstühle" im deutschen Wikipediaartikel? Die erste Version von 2002 noch nicht. In den Versionen findet man sie: Am 21.01.2007 um 02:48 Uhr wurden die Gartenstühle den Formulierungen hinzugefügt. Das war also vor dem Forumspost von 2009 und unterstützt die These, dass im Forum von Wikipedia zitiert wurde. Leider ist kein Autorenname angegeben, nur eine IP-Adresse. Und der Urheber dieser Formulierung hat außer bei der Beaufort-Skala nur in zwei Artikeln zu den Niederlanden und Utrecht mitgewirkt. Ich komme damit zu folgendem Schluss: Hübsch formuliert, aber nicht mit Quellen belegbar.
Warum hält sich eigentlich die Beaufort-Skala noch, obwohl moderne Messgeräte die Windgeschwindigkeit in km/h messen und anzeigen? Für Segler ist die grobe Einteilung ganz nützlich, um abzuschätzen, ob und mit welcher Takelage man den Hafen verlässt. Eine ca. 9m große Yacht lässt sich von 0-2 Bft fast nicht beeindrucken, 3-5 Bft sind ganz angenehm, 6-7 Bft werden schon ruppiger (auf der Elbe gegen die Strömung ist das übrigens richtig fies und man sieht ggf. sein Frühstück ein zweites Mal), und bei 8 Bft (und nicht seefesten Personen an Bord) sollte ein Hafentag eingelegt werden, mit ggf. weiteren Befestigungsmaßnahmen.
Zum Abschluss überlasse ich es den Lesern hier, zu überprüfen, ob die auf der deutschen Wikipediaseite angegebene Formel zum Umrechnen zwischen der Windgeschwindigkeit v [m/s] und der Beaufort-Stärke B [Bft] wirklich (annähernd) korrekt ist:
Jan 04, 2026
Eine sehr subjektive Aufstellung ohne Anspruch auf Vollständigkeit, mit Hilfe von Wikipedia erstellt:
Arithmetik, Logarithmus: arithm– = Zahl
Parabel: –bel = Wurfgeschoss (!) (Probleme wirft man ja auch auf…)
Parabel, Parallele: para– = von…her, bei, neben…hin, zu…hin, entlang
Basis: bas– = Sockel, Grundlage, Schritt
Polygon, Pentagon: –gon = Knie, Ecke, Winkel
Graph (den ich aus Sturheit immer noch mit ph schreibe): –graph = schreiben (die Grammatik ist dann etwas Geschriebenes, ebenso das Programm (pro- = vor) und das Parallelogramm)
Polyeder, Tetraeder: –eder = Ort zum Sitzen, (Sitz-)Fläche (dazu sind also Kathedralen da…)
Homomorphismus: homo– = gleich
Analysis: –lys– = (auf-)lösen, Auflösung (daher also die vielen Gleichungen)
(O-)mega: mega– = groß
Meter, Geometrie: –meter, –metr– = Maß
mikro, Omikron: mikro– = klein
Homomorphismus: –morph– = Gestalt
nano: nano– = Zwerg
Polynom, Binom(ische Formeln): –nom = Gesetz
orthogonal: ortho– = recht, richtig, aufrecht
Polstelle, Polgerade: pol– = Achse
Polyeder, Polygon: poly– = viel, mehrere
Trapez: –pez = („Vierfuß“), Tisch (perspektivisch gezeichnet)
Analysis: an(a)– = hinauf, über…hin, je
Diagonale, Diagramm: dia– = durch, hindurch
Hyperbel: hyper– = über, oberhalb, über…hinaus
Periode: peri– = um…herum
Symmetrie: sym– = zusammen mit
Trigonometrie: tri– = drei
Tetraeder: tetra– = vier
Pentagramm, Pentagon: penta– = fünf
Hexagon, Hexadezimalsystem: hexa– = sechs
Oktaeder: okta– = acht
Dodekaeder: dodeka– = 12
Ikosaeder: eikosa– = 20
Hypotenuse: –ten– = dehnen, spannen
Hypotenuse: hypo– = unter, unter…hin
Hektar: hekaton = 100
Kilo, Kilometer: chilio– = 1000
Jan 03, 2026
Herr Huber und Herr Meier sind Malermeister. Herr Huber benötigt für das Streichen eines Raumes einen Tag, Herr Meier ist etwas langsamer und benötigt zwei Tage. Wenn sie zusammen arbeiten, braucht jeder von ihnen halb so lange, also arbeiten sie 0,5+1=1,5 Tage. Das wäre aber länger, als wenn der erste alleine gearbeitet hat.
Wo steckt der Fehler?
Jan 03, 2026
Ganz unerwartet bin ich beim Lesen auf einen mathematischen Vergleich gestoßen:
Der umständliche Apparat einer methodischen Kriegsführung hatte ihre Beweglichkeit erschwert und ihre Stoßkraft gelähmt; und die Schwierigkeiten wuchsen eher noch in geometrischer als in arithmetischer Progression mit jeder Meile, mit der sich ihre Führer von Medina, ihrer schlechtausgestatteten, unsicheren und unbequemen Basis entfernten.
T.E. Lawrence: Die sieben Säulen der Weisheit, S. 138. (Hervorhebungen von mir)
Weniger umständlich würde man heutzutage vermutlich "exponentiell" und "linear" verwenden, aber was weiß ich schon, ich bin ja kein Schriftsteller.
Aug 12, 2023
In einer der letzten Stunden habe ich mit einer 11. Klasse ChatGPT im Matheunterricht ausprobiert. Die Fragestellung für die Stunde lautete: "Wie kann man ChatGPT zum Lernen für Mathe nutzen? Und speziell für Differenzialrechnung?"
Schülerideen waren:
- Rechenaufgaben stellen lassen
- Rechenaufgaben lösen
- Fachbegriffe erklären lassen
- einen Lernplan zur Vorbereitung auf eine Klausur/auf die Abiturprüfung erstellen
Danach ging es ans Ausprobieren. Die Prompts und Ausgaben wurden anschließend vorgestellt und beurteilt. Wesentliche Probleme waren für die Schülerinnen und Schüler dank monatelanger intensiver Auseinandersetzung mit der Differenzialrechnung offensichtlich: Die Matheaufgaben waren teilweise sehr einseitig ("Bestimme die Ableitung", "Berechne die Extrempunkte"), es gab viele Fehler in den Lösungen (konstanter Summand im Funktionsterm taucht auch in der Ableitung auf, trotz mehrfacher Promptanpassung) und in den Erklärungen wurden Begriffe verwendet, die deutlich über das Kerncurriculum hinausgehen.
Banal ist aus meiner Sicht die Erkenntnis, dass man zur angemessenen Nutzung von ChatGPT deutliches Hintergrundwissen benötigt, um die Ergebnisse zu beurteilen und die Prompts anzupassen. Ebenso wenig überraschend war, dass ChatGPT als Neuronales Netz, das Sprache imitiert, kein Mathe "kann" (dafür gibt es Taschenrechner und Wolfram Alpha). Schön war, das mit den Schülern zu analysieren und so das gesamte Thema zu wiederholen (statt nur Rechenaufgabenzu lösen).
Ich nehme nun ein Werkzeug mit, dass mir für das neue Schuljahr jede Menge Material zur Fehlersuche generiert.