Calliope-Basteln

Aug 30, 2026

Dieses Schuljahr fällt in mehreren Punkten so deutlich aus dem Rahmen, dass sich mein ganzer Vorbereitungsalltag grundlegend ändert. Erstens: Ich wurde abgeordnet und darf nun an zwei Tagen an einer IGS unterrichten. Zweitens: Ich unterrichte deutlich mehr Informatik (auch dank der Abordnung). Zum Vergleich: Bisher hatte ich im besten Fall zwei Stunden Informatik, der Rest war Schweigen Mathe. Dieses Jahr sind es 12(!) Stunden. Für mich ist es ungewohnt, viele Klassen nur noch einmal in der Woche zu sehen. Dafür muss ich weniger Einzelstunden planen und kann auch deutlich besser im Voraus planen.


Der erhöhte Informatikanteil führt auch dazu, dass der Calliope häufiger zum Einsatz kommt. Seit längeren liegen schon zwei Bausätze in meinem Büro, die aus dem Calliope ein steuerbares Fahrzeug machen: Das Motion Kit 2 für 40€ und das CalliCar 2.5 für 28€. Nun endlich habe ich es geschafft, beide Bausätze zusammenzubauen, und berichte hier von meinen Erfahrungen.

1. Der Inhalt:

Das Motion Kit kommt in einer stabilen Plastikbox. Alle Einzelteile sind nochmal in einer Plastiktüte verpackt, das ist nicht besonders umweltfreundlich. Lediglich die Trackmap (rechts im Bild) kommt ohne zusätzliches Plastik aus. Die Box dient am Ende zur Aufbewahrung aller Einzelteile und lässt sich gut stapeln, falls man mehrere dieser Bausätze hat.

Alle Teile ausgepackt:

Das CalliCar kommt in einer flexiblem Verpackung (Klarsichtfolie) mit deutlich weniger Luft daher:


Darin verbergen sich erstaunlich viele und vor allem sehr kleine Einzelteile:

Das kann für den Zusammenbau in einer Klasse durchaus zum Problem werden. Zumal sich die kleinen Schrauben und Muttern erstaunlich schnell an die Schwerkraft gewöhnen und vom Tisch hinunter über den Boden kullern.

2. Die Arbeit

Beide Bausätze werden damit beworben, dass sie ohne Löten auskommen. Dies trifft auch in der Realität zu. Zum Aber komme ich gleich.

Für beide Bausätze gibt es online eine Anleitung.

Für das Motion Kit besteht diese aus 5 Schritten. Die Bilder ähneln Cliparts. Farblich gibt es meiner Meinung nach Verbesserungsbedarf (hellgelb auf weißem Hintergrund, nunja). Dennoch sind alle Schritte vollständig und klar beschrieben, so dass alle Bauteile innerhalb kürzester Zeit ohne weitere Hilfsmittel verbaut sind. Andererseits: Wie viele Fehler kann man beim Zusammenbau von 11 Teilen schon machen?

Für das CalliCar besteht die Anleitung aus ca. 19 Schritten, jeder mit Fotos der zu erreichenden Stufe bebildert. Leider sind diese nicht immer aus einem günstigen Winkel aufgenommen und somit alle verwendeten Teile gut erkennbar. Auch ist nicht immer klar, was gerade wo angebaut wurde. Die Erklärungen sind teilweise missverständlich oder enthalten Lücken. Die Konstruktion dauerte insgesamt dadurch deutlich länger. Auf die Zeit müssen auch die vielen Kleinstteile gerechnet werden, die mit Schraubendreher und viel Geduld mehrfach auseinander- (s. Probleme mit der Anleitung) und wieder zusammengesetzt werden mussten.

Das Ergebnis sah beim Motion Kit nach 6 Minuten ganz kompakt aus:

Entsprechend schnell war auch alles rückstandslos wieder auseinandergebaut und in der Plastikbox verstaut

Beim CalliCar war nach mehr als 40 Minuten das Fahrzeug zusammengesetzt:

Das CalliCar ist doppelt so lang wie das Motion Kit, da sich das Batteriefach für die beiden Motoren hinter dem Calliope befindet, beim Motion Kit ist es darunter verbaut. Links im Bild sind fünf Bauteile zu sehen, die am Ende übrig geblieben sind. Das ist vor allem für den An/Aus-Schalter (für die Motoren?) blöd. Außerdem fehlte eine Mutter, so dass das Batteriefach nicht fest verschraubt werden konnte. Aber sowas hat man ja meistens noch in irgendeiner Schublade herumliegen, oder? Zum Auseinanderbauen fehlte mir am Ende die Geduld, so dass ich nur den Calliope und sein Batteriefach wieder abmontiert habe. Leider gelang dies nicht ganz rückstandslos, da das Batteriefach des Calliope mit Klebeklettstreifen an der Halterung befestigt wurde.

3. Das Fazit

Ich war vom CalliCar sehr enttäuscht wegen der vielen unnötigen Frickelei durch eine fehlerhafte Bauanleitung. Für den Einsatz in einer Klasse sehe ich aufgrund der Basteldauer ebenfalls Probleme (das hat immerhin fast eine Schulstunde gedauert). Und auch wenn das CalliCar zunächst günstiger ist, benötigt man dennoch eine Aufbewahrungsbox für die Einzelteile, die zusätzlich gekauft werden muss.

Das Motion Kit war problemlos innerhalb kürzester Zeit aufgebaut und einsatzbereit, was mir für den Unterrichtseinsatz deutlich mehr zusagt.

Ob sich beide Bausätze auch im Fahrbetrieb so deutlich unterscheiden, muss erst noch praktisch erprobt werden. Das wäre dann sicherlich einen weitere Blogartikel wert.

Vom Umbenennen

Aug 03, 2025

Seit zwei Jahren läuft nun das Pflichtfach Informatik. Und es ist so dringend nötig! Nicht nur wegen des Einblicks in den Rechner oder ins Programmieren. Das ist zwar auch sehr beeindruckend und bei Letzterem auch sehr kreativ (außer man googelt oder KI-t [gibts das als Verb?] Lösungsskripte).

Die erste Stunde beginnt aber viel banaler, eigentlich gehört es in den Bereich "Medienbildung": Die Schüler:innen sollen fürs Fachmaterial Ordner und Unterordner erstellen und dann die ausgeteilten Dateien abspeichern und nach Vorgabe umbenennen. Und ich bin immer wieder überrascht, wie viel Zeit dies beansprucht. Wir reden hier von Klasse 9 und 10, die bereits Erfahrung im Umgang mit Dateien haben sollten, schließlich mussten sie schon Präsentationen oder Texte digital abgeben. Aber offenbar nicht mit einem vorgegebenen Dateinamen.

Für das Hochladen von Dateien im Aufgabenmodul ist dies auch nicht unbedingt notwendig. Die Dateien kann man ja mit Klick auf den Schülernamen öffnen. Wenn man sie herunterlädt, werden sie in Ordnern mit Schülernamen gespeichert. Und die Schüler:innen brauchen nur ihre Datei hochladen, wo auch immer und unter welchem Namen auch immer sie gespeichert ist. Also warum dann so viel Tantam?

Es geht darum, den Rechner oder das Tablet oder das Smartphone als Werkzeug zu verstehen. Im Idealfall beherrscht das Werkzeug nicht mich, sondern ich beherrsche das Werkzeug. Ich kontrolliere, was ich wann, wo und wie speichere. Wenn das Gerät mir dies nicht ermöglicht, dann ist es für mich unbrauchbar.

Jedes Gerät und jede App speichert unterschiedlich. Das geht mit dem Speicherort los und geht beim Dateinamen weiter - vom Dateiformat ganz zu schweigen! Dabei entstehen dann so unhandliche Dateinamen wie "Scratch-Projekt (1)(4).sb3", bei denen man nicht weiß, ob sich dahinter nun das Pacman-Spiel oder der Rasenmähroboter befindet oder ob es sich um die erste, unvollständige Version oder die letzte, gründlich überarbeitete und fehlerbereinigte Version handelt.

Beim Hochladen der Datei stellt sich dann die Frage, wo die Datei eigentlich gespeichert ist. Im Download-Ordner sucht man nicht unbedingt als erstes (dort werden z.B. im Browser entwickelte Scratch-Dateien allerdings gespeichert). Da wäre es doch sinnvoller, alle wichtigen Dateien aller Apps dort zu speichern, wo man sie auch wiederfindet, also im eigenen Ordner.

Im Idealfall speichern die Schüler:innen also ihre Dateien in den dafür vorgesehehen Ordnern und Unterordnern und benennen ihre Dateien nach meinen Kriterien und haben nach dem Inforamtikunterricht die Wahl, ob sie die Kriterien beibehalten oder für sich anpassen oder weiterhin auf die Vorgaben des Geräts setzen.

In der Realität erhält man von mindestens 1/3 der Schüler:innen das gesamte Halbjahr lang Dateien der Form "Dokument1.docx" oder "Scratch-Projekt (1)(4).sb3". Und es war dann garantiert nicht die richtige oder endgültige Abgabe.

Spielidee: Froschteich

Aug 03, 2023

Ich mag Spiele, deren Spielregeln variiert werden können. Damit lassen sich diese Spiele nicht nur für genau eine Unterrichtssituation einsetzen.

Das folgende Spiel habe ich mir selbst überlegt, ich nenne es "Froschteich". Und der sieht so aus (mit Excalidraw erstellt):

Man benötigt:

  • ein Spielbrett (der Froschteich, siehe Bild)
  • einen Würfel
  • je Spieler einen Stift (verschiedene Farben).

Jeder Spieler markiert zu Beginn mit einem Stift ein Seerosenblatt (die Kreise), auf dem er startet (jedoch keine zwei Frösche auf einem Blatt). Nun wird reihum (z.B. im Uhrzeigersinn) mit einem Würfel gewürfelt und dadurch zu einem anderen Seerosenblatt springen. Die Linien geben an, zu welchem Seerosenblatt man springen kann. Die Beschriftung gibt wiederum an, unter welcher Bedingung man springen kann:

  • 1,2,3,4,5,6: Die gewürfelte Zahl ist 1 bzw. 2 bzw. 3 etc.
  • P: Die gewürfelte Zahl ist eine Primzahl
  • ge: Die gewürfelte Zahl ist gerade
  • ug: Die gewürfelte Zahl ist ungerade
  • <x bzw. >x: Die gewürfelte Zahl ist kleiner bzw. größer als die Zahl x
  • "und" bzw. "oder": entsprechen den logischen Verknüpfungen UND (beide Bedingungen müssen erfüllt sein) bzw. ODER (mindestens eine der beiden Bedingungen müssen erfüllt sein)

Springt man entlang eines Pfades, markiert man ihn mit seinem Stift. Da verschiedene Frösche entlang dieses Pfades springen können, kann ein Pfad auch mit mehreren Stiften markiert werden (es empfiehlt sich, verschiedene Farben zu verwenden und die Spielerzahl auf max. 4 zu begrenzen).

Wer es geschafft hat im Kreis zu springen, also über verschiedene Pfade wieder am Startpunkt anzukommen, kann sich die Weglänge als Punkte aufschreiben und sich ein neues Seerosenblatt als neuen Startpunkt aussuchen. Wenn alle Pfade übersprungen worden sind, endet das Spiel. Gewonnen hat, wer die meisten Punkte erreicht hat.

Das Spielfeld kann man vereinfachen, indem nur Zahlen an den Pfaden stehen, oder noch weiter ausbauen, indem mit zwei Würfeln gewürfelt wird und die Ereignisse entsprechend komplexer gestaltet werden können.

Im Matheunterricht kann das Spiel z.B. mit Baumdiagrammen ausgewertet werden: Welcher Pfad ist (bei gleicher Wurfzahl) wahrscheinlicher? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, den kürzesten Rundweg ohne Aussetzen (wenn man mal nicht springen kann) zu erwürfeln? (Edit: Und ganz schnell ist man hier bei Markovketten.)

Im Informatikunterricht kann das Spiel entsprechend programmiert werden, so dass eingefärbte Pfade automatisch auf Kreise überprüft und der Punktestand aktualisiert wird. Auch könnte ausgewählt werden, ob man gegen einen anderen Mitspieler oder gegen den Computer spielen möchte.

Das Spiel ist noch im Werden. Ideen und Verbesserungsvorschläge nehme ich gern entgegen.

Bilderkennung und Vierfeldertafeln

Jun 13, 2023

Im Matheunterricht der 9. Klasse stehen die Vierfeldertafeln an. Ich mag das Thema, weil es viele Anknüpfungspunkte zur Lebenswelt der Schüler:innen hat. Da gibt es tendenziöse Zeitungsartikel (die Zahlen stimmen durchaus, aber sie beschreiben nicht die Gesamtsituation), medizinische und psychologische Tests (mit ersterem haben nun alle hinreichend Erfahrung) und zweifelhafte Zeugenaussagen.

Eine Aufgabe zur Zeugenaussage geht knapp zusammengefasst so: In einem Ort gibt es zwei Taxifirmen, die Grünen und die Blauen. Von den Grünen gibt es z.B. 80, von den Blauen 20. Eines Tages baut eins der Taxis einen Unfall und ein Zeuge beobachtet dies. Er sagt aus, dass er ein blaues Taxi gesehen hat. Ein Sehtest ergibt, dass er zu 80% mit seiner Farberkennung richtig liegt. Wie sollte die Schadenssumme verteilt werden, wenn beide Taxiunternehmer bereit sind, diese zu übernehmen? (Offenbar trauen beide Unternehmen ihren Fahrern nicht übern Weg…)

An sich ist das schon eine schöne Aufgabe, geht sie doch auf die Bedeutung einer Zeugenaussage und ihre Glaubwürdigkeit ein. Vor Gericht sind aufgrund von fehlenden Kenntnissen über die bedingte Wahrscheinlichkeit schon unglaublich große Fehler passiert.

Nun werden zunehmend Überwachungskameras eingesetzt und automatisch ausgewertet. Da wäre es doch naheliegend, die menschliche Aussage durch ein Ergebnis der Bilderkennung zu ersetzen. Aus den Farben wird dann z.B. groß/klein (die Minis und die Maxis), die Bilderkennung liegt dann entsprechend 80% richtig. Wie sicher ist dann, dass es sich um ein Maxi-Taxi handelt? Eine Beurteilung des Einsatzes von Bilderkennung führt zu einer recht spannenden Diskussion.

Und der Bezug zur Informatik ist auch gleich da. Was sind Merkmale, an denen ein Mini- oder Maxi-Taxi erkannt werden kann? Wie wurde es trainiert? Welche Fehler können dabei auftreten (z.B. indem ein Mini-Taxi immer neben einem Haus steht, könnte ein Maxi-Taxi dadurch fälschlicherweise als Mini-Taxi erkannt werden, weil es nun zufällig neben einem Haus steht.)

Als Abschluss kann man selbst ein neuronales Netz mittrainieren:  https://quickdraw.withgoogle.com/
In 19 Sekunden muss zu einem vorgegebenem Begriff ein Bild gezeichnet werden. Erkennt die KI das Bild, gibt es einen Punkt. Am Ende kann man auch auf jedes Bild klicken und sehen, wie andere den Begriff gezeichnet haben.

Edit: Ein unglaublich spannender Einblick in Fehlurteile und die dahinterliegende Mathematik gibt es in "Bayes and the Law".

Von Netzwerken und Textgeneratoren

Mai 21, 2023

Um Netzwerke zu simulieren, war bisher Filius unübertroffen. Nun gibt es eine weitere vielversprechende Simulation: "WebNetSim" von Michael Hielscher. Sie führt Schritt für Schritt und sehr anschaulich durch den Aufbau und die Funktionsweise eine Netzwerkes. Zusätzlich kann kollaborativ an einem Netzwerk gearbeitet werden. (Tipp von @beatdoebli)

Von Michael Hielscher stammt auch der didaktische Textgenerator "SoekiaGPT", mit dem man die Funktionsweise von Textgeneratoren wie ChatGPT erkunden kann. Nicht nur für den Informatikunterricht nützlich, sondern zum Beispiel als Anwendung von bedingten Wahrscheinlichkeiten im Matheunterricht (Klasse 9-13).