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Stundenrückblick

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Es gibt diese Stunden, in denen ich mich ärgere. Weil Schüler den Unterricht durchgehend stören. Oder weil wieder so viele die Hausaufgaben vergessen haben. Oder weil das Thema doch nicht so schnell verstanden wurde und ich kleinschrittiger vorgehen muss und ich in meinen Panikmodus verfalle, weil ich womöglich nicht alles bis zum Schuljahresende schaffe. Oder weil meine Rolle als Lehrer in Frage gestellt wird.
Neulich stellte ich einer Klasse den groben Aufbau der nächsten Klassenarbeit vor. Es sollte einen zehnminütigen Kopfrechenteil und einen mit dem Taschrechner zu bearbeitenden Teil geben. Nun begann in dieser Klasse eine Diskussion darüber, was in der Arbeit enthalten sein solle, wie lange die Arbeit dauern solle und ob es nicht unfair sei, dass die Schüler, die für den Kopfrechenteil weniger Zeit benötigten, für den zweiten Teil mehr Zeit als die anderen hätten. Über diese Diskussion ärgerte ich mich, weil die Schüler mir die Gestaltung der Klassenarbeit aus der Hand nahmen. Und Klassenarbeiten gestalten ist nun mal meine Aufgabe. Ich bestimme, was darin abgefragt wird und wie lange sie dauert. Dafür werde ich schließlich bezahlt. Wo kämen wir denn dahin, wenn die Schüler ihren eigenen Klassenarbeiten mitbrächten. Ich beendete also die Diskussion kurz damit, dass ich eben die Klassenarbeit nach meinen Vorgaben schreiben lasse. Punkt. Eigentlich war ich, kurz nachdem die Klasse sich weder beruhigt hatte, ganz zufrieden, denn ich hatte ohne viel zu zögern eine Entscheidung für meine Vorgaben getroffen.

Im Nachhinein ärgere ich mich nun doch wieder. Klar, ich war standhaft geblieben. Aber war mein Umgang mit der Diskussion richtig? Hätte ich ihre Zweifel nicht anders nutzen können? Schließlich kennen sich Schüler mit Klassenarbeiten gut aus, dass sie deren Aufbau angemessen beurteilen können.
Ich überlege, ob nicht Folgendes besser gewesen wäre:
Statt über die mögliche Aufgabenverteilung zu diskutieren, fordere ich die Schüler auf, in Gruppen eine Klassenarbeit nach ihren Vorstellungen zu entwerfen (natürlich mit Lösungen). Dabei weise ich auf die verschiedenen Anforderungsbereiche hin, die abgedeckt sein müssen (Vorgaben von „oben“). Diese Probeklassenarbeiten werden in der nächsten Stunde zum Üben verteilt (in Klarsichthüllen, auf denen man mit wasserlöslichen Folienstiften schreiben kann). Aus ihnen ziehe ich die Hälfte der Aufgabenstellungen (es dürfen nicht die gleichen Zahlen sein) in meine Klassenarbeit hinein. Anschließend gibt es ein gegenseitiges Gruppenfeedback über ihre Klassenarbeitsentwürfe (Dauer, Schwierigkeit, Fehler etc.). Dadurch erhoffe ich mir eine bessere zeitliche Einschätzung meiner Klassenarbeit und eine höhere Motivation in der Wiederholungsphase für die Arbeit.
Probleme können sein, dass die Schüler die Wichtigkeit mancher Aufgaben nicht durchschauen, dass sie sich die leichten Aufgaben auswählen, dass sie durch ihre Aufgaben die anderen Schüler überfordern und womöglich auch zu viele Fehler einbauen, weil sie selbst noch nicht gut mit dem Thema zurechtkommen.

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Blogparade: Reflektierende Praktiker

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Herr Larbig twitterte neulich:

Daraus wurde ein Aufruf zur Blogparade, das heißt, wer möchte, verfasst eine Antwort in seinem eigenen Blog als Artikel und verlinkt dann auf den Aufruf. Über die Pingbacks in den Kommentaren zum Aufruf gelangt man jetzt, schon nach einer Woche, zu vielen tollen Antworten.

Nun will ich auch eine Antwort versuchen.

Das „Praxisjournal“: Ich habe das im Studium, im Referendariat und in meiner festen Anstellung immer wieder probiert, aber nie durchgehalten. Mein Problem war, dass es entweder so viel zu schreiben gab und ich vom Hundertsten ins Tausendste gelangte und immer noch kein Stück weiter war, oder dass sich Situationen wiederholten und für mich uninteressant zum Aufschreiben waren. Nach spätestens einer Woche hatte ich dann keine Lust mehr, ähnlich detailliert zu schreiben oder über einer leeren Seite zu hocken.

Gespräche: Das wichtigste Mittel für Reflexionen für mich ist Reden, Reden, Reden. Von Schülern hole ich mir oft statt eines durchstrukturierten Feedbacks im Fragebogen eine schnelle mündliche Rückmeldung zur letzten Einheit oder Klassenarbeit („Was war gut, was kann noch verbessert werden? Vorbereitung, Aufgabenstellung, Zeit,…). Mit Kollegen rede ich über Elterngespräche und Gespräche mit Schülern. Manche Unsicherheit, die ich noch während der Eltern-/Schülergespräche hatte, verschwand, weil die Kollegen ähnlich gehandelt hätten oder weil ich eine Alternative von ihnen erfuhr.

Notizen: Während einer Klassenarbeit mache ich mir sofort eine Notiz in meinem Exemplar, wenn ein Schüler eine Verständnisfrage stellt. Zu Hause überarbeite ich dann die digitale Version der Klassenarbeit, so dass ich immer die verbesserte Version vorliegen habe und beim nächsten Mal benutzen kann. In meinen Stundenzetteln notiere ich mir gelegentlich (noch nicht ganz so regelmäßig, wie ich es mir wünsche), ob eine Phase gut lief, ob sie zu lang war oder ob die Ergebnisse in eine ganz andere Richtung gingen, als ich erwartet hatte. Was ich dann (noch) nicht mache, ist, den Stundenzettel zeitnah zu ändern. Da ich erst alle paar Wochen (meistens in den Ferien) diese Zettel abhefte, kann ich aber nochmal einen Blick auf die vergangenen Stunden werfen und diese Revue passieren lassen. In diesem Jahr habe ich zwei Jahrgänge zum zweiten Mal unterrichtet, da sichte ich meine Unterlagen über den letzten Durchgang und überarbeite es im laufenden Schuljahr. Und wenn ich dann in den Ferien mein Material wieder abhefte, fliegt das raus, was schlechter gelaufen ist. Zu den Elterngesprächen notiere ich mir immer den Inhalt und die Ergebnisse sowie das ein oder andere Stichwort, worauf ich das nächste Mal achten muss.

Mein Blog: Hier schreibe ich über Stunden, die gut gelaufen sind oder die Probleme aufgeworfen haben. Hier bin ich gezwungen, aus einer kurzen Randnotiz „gut!“ oder „zu lang“ einen zusammenhängenden Text, möglichst noch mit Erklärungen und Alternativen, zu verfassen. Das ist aufwändig wie im „Praxisjournal“, aber nicht so regelmäßig. Trotzdem sind die Beiträge längst nicht so ausführlich, strukturiert und sauber formuliert wie es eine echte Reflexion sein müsste.

Am Ende hole ich mir dann ein Feedback über das gesamte Schuljahr in Form eines Lehrerzeugnisses von den Schülern ein. Die Auswertung bewahre ich ein bis zwei Jahre. Die Klassen unterrichte ich meistens zwei Jahre lang und da finde ich es spannend, zu erfahren, ob sich während dieser zwei Jahre etwas geändert hat. Bei neuen Klassen schaue ich, ob sich im Vergleich zur vorigen Klasse etwas geändert hat. Das ist immer mit Vorsicht zu genießen, schließlich ist manches Feedback alters- und klassenabhängig. Trotzdem überlege ich dann, inwiefern ich mich dieser Klasse gegenüber anders verhalten habe und ob ich das ändern möchte.

Und dann sind da die vielen kleinen Gedanken zwischendurch. Wenn ich aus der einen Stunde mit „yeah, tolle Stunde“ voll motiviert gehe und aus der anderen mit „verdammt, die letzte Aufgabe war Mist, die hätte ich weglassen sollen“ in Richtung Lehrerzimmer stapfe. Wenn mir bei der Vorbereitung noch einfällt, dass die letzte Stunde mitten in eine offenen Frage endete und mich geärgert hatte, diese aber als passenden Einstieg verwenden kann. Wenn ich abends auf der Couch liege und denke, dass heute alles doof war. Oder wenn ich in den Sommerferien die Unterlagen abhefte und zufrieden feststelle, den Lehrplan vollständig erfüllt zu haben und hoffe, dass meine Schüler im nächsten Schuljahr wenigstens ein paar Infos behalten haben werden. Das meiste habe ich wieder vergessen, sobald ich am Computer sitze, aus dem Rest wird manchmal ein Tweet, ab und zu auch ein Blogartikel. Für den Moment aber hilft es mir. Und vielleicht erinnere ich mich später wieder daran.

Das ist im Moment alles, was mir spontan dazu einfällt. Noch dazu unstrukturiert und längst nicht eloquent formuliert. Und ganz bestimmt fällt mir bald noch mehr dazu ein. Kurz: Ein Artikel im Beta-Modus.

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