G9 – und nun?

Veröffentlicht am von 0 Kommentare

Niedersachsen kehrt ab kommendem Schuljahr wieder zu G9 zurück. Das finde ich sehr erfreulich, bedeutet es nämlich für die Schüler kürzere Schultage, wenn aus 34-Stunden-Wochen maximal 30-Stunden-Wochen werden, und Inhalte kommen dann dran, wenn es passt und nicht, weil es noch unbedingt in dieses Schuljahr hineingequetscht werden muss.

Meine Freudentränen sind inzwischen einer Ernüchterung gewichen. In den verschiedenen Gremien und Projektgruppen wird deutlich, dass man nicht mal eben zum neunjährigen Gymnasium wechseln kann. Da müssen über Stundentafeln und Rhythmisierung entschieden, die Epochalfächer auf die einzelnen Jahrgänge verteilt, neue schulinterne Fachcurricula erstellt und die dazu passenden Schulbücher ausgewählt werden. Daneben ärgert mich immer noch, dass Informatik nicht verpflichtend eingeführt wurde, auch wenn ich es durchaus begrüße, dass Informatik mit den anderen Naturwissenschaften in der Oberstufe gleichgestellt wird. Mein nach drei Durchgängen einigermaßen eingespieltes Material kann ich nun wieder umsortieren, weil die Themen auf die Jahrgänge neu verteilt wurden und die Seitenzahlen im Buch ja nicht mehr passen. Und wo ich gerade bei Büchern bin, da wird man ja von allen Verlagen mit Angeboten überhäuft, bekommt aufwendig gefaltete Pakete, darin Hochglanzbroschüren mit glücklichen KühenKindern, das liebevoll gestaltete Buch für Jahrgang 5, dazu einen Ausblick auf ein meist eher schwaches Lehrwerk für Jahrgang 7 (da fehlen meist schon die Ideen), die Demo-Version den digitalen Unterrichtsplaners als Appetizer (mit welchem der Unterricht totaaaal mühelos vorbereitet ist – sofern man die vorletzte Windows(und nur die)-Version installiert hat und die CD nicht aus dem Laufwerk nimmt) und der karierte A5-Block. Mein Regal füllt sich mit der inzwischen dritten Fassung aller Lehrwerke (das ursprüngliche G8, das vor einem Jahr fast beschlossene G8neu und nun G9), dabei werden oft nur Blöcke hin- und hergeschoben und die Schriftart geändert.

Nicht dass hier der falsche Eindruck entsteht, dass ich wieder zurück zu G8 will! Ich finde es im Augenblick großartig, dass fast alles, was ich im 2. Halbjahr in Jahrgang 6 unterrichten müsste, nun nach Klasse 7 gerutscht ist. Ich habe für die verbliebenen Themen (Bruchrechnung und Geometrie) so viel Zeit, dass ich endlich wieder richtig Mathe machen kann. Ich hetze nicht von einer Spiegelungskonstruktion zur nächsten, sondern kann mir die Zeit nehmen, die Hintereinanderausführung zweier Spiegelungen zu erforschen. Und rückwärts von der Spiegelung auf die Achse zu folgern. Und auf Sauberkeit und Genauigkeit zu achten. Und die Langsamen und Unsicheren mitzunehmen. Und einfach Spaß am Ausprobieren zu haben! Gut, das ist nicht die Folge von G9 sondern die Vorarbeit aus G8 mit anschließender Vollbremsung. Aber wenn ich mir den neuen Lehrplan genauer anschaue, sehe ich, dass bei den Jüngeren wieder mehr Wert auf Zahlentheorie und Geometrie gelegt wird und damit Strukturen innerhalb des Bekannten erforscht und entdeckt werden sollen. Und darauf freue ich mich schon!

Kategorie: Mathematik

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*