Kategorie-Archiv: Französisch

Frankreichaustausch Tag 3

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Was ich heute vermisst habe: E-Mails. Wie kann ich wissen, was es Neues in der Schule gibt? Und eine vernünftige Tastatur. Diese iPad-Tastatur kommt mit meinem Tipptempo nicht hinterher, so dass ich die Texte am Ende nochmal überarbeiten muss. Und das ist bei einzelnen Buchstaben sehr nervig.
Worauf ich mich freue, wenn ich wieder zu Hause bin: Blogs lesen. Diese längeren, ausgeklügelt formulierten Texte zu lesen und darüber zu lachen oder nachzudenken. Und bei jeder Wissenslücke im Internet nachzuschlagen. Im Moment bin ich hier nur auf meine bisherigen Erfahrungen, meine Wörterbuch-App und die Auslegeware in den Touristenbüros und Museen angewiesen. Das ist mir viel zu wenig!
Was ich noch gar nicht vermisst habe: Twitter. 60% Belangloses, 30% Links, auf die ich so nebenbei gerne klicke, 10% wirklich weiterführendes Zeugs (Links zu interessante Blogbeiträgen und Webseiten oder Diskussionen).

Anvisierte Ziele: Das Schloss von Chenonceaux und die Altstadt von Tours.
Pünktliche Schüler: 24 von 24.
Pünktliche Lehrer: 2 von 3.

Das Schloss von Chenonceaux ist klein aber fein. Es reicht aus, um die Mätressen des Königs angemessen zu beherbergen. Eine Besonderheit ist, dass in jedem Raum, außer im Trauerzimmer, ein frisches Blumenarrangement steht. Eine weitere Besonderheit ist heute eine kleine Ausstellung zur Freundschaft zwischen einer Schlossherrin und Jean Jacques Rousseau. Chenonceaux war Verwundetenlager im Ersten Weltkrieg und Fluchttür für Juden, die vom Osten her durch die Deutschen verfolgt wurden, im Zweiten Weltkrieg.

Schloss Chenonceaux

 

Verwundetenlager

 

Kritzelei eines gelangweilten Schülers?

 

Interessant sind die Häuser entlang der Loire, die in einen Fels gehauen sind. Fremdwort: Troglodyten. Fotos folgen.

Wortschatz rund ums Handwerk erweitert. Im Gesellenmuseum, musée du Compagnonnage (Museum der Gesellenbruderschaft), viele Fotos mit Symmetrien und anderen Matheansichten geschossen.

Tours: einzelne Bauwerke sind toll, und als Studentenstadt strahlen die kleinen Restaurants internationales Flair aus. Aber so im Gesamteindruck ist in Le Mans viel mehr Altstadt geballt als in Tours. Dennoch sehr sehenswert. Besondere Highlights: die Hängebrücke, möglichst als Gruppe betreten und dann einmal gemeinsam hochspringen. Und das Musée du Compagnonnage. Essen: im Le Soleil.

Tours

Kathedrale von Tours

 

Kategorie: Französisch

Frankreichaustausch Tag 2

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Je n’ai pas bien dormi parce que j’étais trop fatiguée.
Für unsere Schüler war es die erste Nacht alleine in ihren Gastfamilien. Einige fühlen sich schon total wohl, andere müssen sich noch ein wenig eingewöhnen. Ein paar haben schon das typische französische Frühstück erfahren und müssen sich erst noch trauen, eigene (Essens-)Wünsche gegenüber der Gastfamilie zu äußern. Gut, dass wir vor der Reise auf die Notration Kekse hingewiesen haben!

Heute wurden wir zunächst vom Schulleiter begrüßt, dann von zwei Reportern interviewt und fotografiert. Danach haben wir unsere Gruppe durch den Ort geführt. Dabei gab es die erste Aufgabe für unsere Schüler: ein Heft mit typischer französischer Lineatur kaufen, das sie später für ihr Reisetagebuch verwenden sollen.

Begrüßung

 

Nach dem Essen gingen meine Kollegin und ich durch die Altstadt von Le Mans. Und sogar das Wetter spielte in dieser Zeit mit – es hörte nämlich mal auf zu regnen.

Abends war ich mit der Deutschlehrerin, die von französischer Seite den Austausch initiiert und auch dieses Jahr organisiert hat, im Kino. „The Angel’s Share“, ein britischer Film, hier mit französischen Untertiteln, über einen jungen Mann, der nach Drogen- und Gewaltproblemen durch eine Whiskeyverkostung auf die richtige Bahn gebracht werden soll. C’était canon! Am Anfang für meinen Geschmack etwas viel Gewalt, aber dann mit viel Humor, ohne albern zu sein.

Wörter, die mir gefehlt haben:
Fernwärme – le chauffage urbain
Fracking – la fracturation hydraulique

neu gelernt:
les Mines – der TÜV
l’orthophoniste – Logopäde

Kategorie: Französisch

Frankreichaustausch Tag 1

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5 Uhr morgens. Aufstehen. Ich. Weil keine Schule ist. Bin ich irre?
Mich erinnern die Schmerzen beim Aufstehen daran, dass ich mir am Abend zuvor den Zeh so kräftig geprellt hatte, dass ich ins Krankenhaus zum Röntgen gefahren bin wurde, nur um die Bestätigung zu bekommen, dass er nicht gebrochen ist. Nun war er also die ganze Nacht getaped und das blieb er auch den ganzen Tag. Wie soll das bloß bei den Tagesausflügen werden?

Abfahrt

 

Ich sitze im Flugzeug von Hamburg nach Paris neben zwei netten Schülerinnen, mit denen ich mich über den Flug, die tolle Aussicht (ich habe einen Fensterplatz!) und über den bevorstehenden Austausch unterhalte. Sie zeigen mir das Würfelspiel Tackeln, wir schaffen neben Start- und Landephase sowie Getränkeausgabe während des einstündigen Fluges immerhin noch eine Runde. Ich probiere während der Landephase meinen neuen Fotoapparat aus. Der hat jetzt sogar richtigen Zoom, den teste ich aber erst später bei der Gepäckausgabe aus.

Landung

 

In Paris müssen wir etwas länger auf unseren Anschlusszug warten. Dabei schaue ich mir die Mohammed-Karikatur des Charlie Hebdo an, um die in Frankreich ein großer Wirbel herrscht, und kann mir den Kauf eines neues Titeuf-Bandes gerade noch verkneifen. Am späten Nachmittag kommen wir in Le Mans an, von dort aus geht es mit der Straßenbahn nach Antarès, wo unsere Schüler von ihren Gastfamilien abgeholt werden. Auch wir Lehrer können nun erstmal durchatmen.

Schließlich Abendessen in der Familie. Dusche. Bett.

Französische Wörter, die mir heute gefehlt haben: eigentlich alle.

Kategorie: Französisch, gelernt

Papierblogs – Die Auswertung

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Mit gemischten Gefühlen habe ich vor den Sommerferien das Papierblogprojekt beendet. In den letzten Stunden sind ein paar wundervolle Blogs entstanden, die auch kommentiert wurden.

Hier ein paar Eindrücke von den Blogs:

 

Dennoch gibt es ein paar Probleme, die ich beim nächsten Mal verhindern möchte.

1. Die Zeit

Das Papierblogprojekt entstand in den letzten Stunden vor den Sommerferien, sozusagen als sinnvolle Überbrückung. Dadurch wurde es am Schluss ziemlich eng, was zu Lasten der Korrektur der Blogs ging. Einzelne Kommentare sind nicht mehr so verfasst und wieder kommentiert worden, wie ich es mir gewünscht hatte.

2. Fehlende Offenheit

Ich hatte gehofft, dass auch von außen, also von außerhalb unseres Kurses kommentiert wird. Aber ich denke, dass dies nur durch ausdrückliche Aufforderung geschehen kann. Hier könnte ich mir eine Zusammenarbeit mit anderen Französischkursen vorstellen, indem jeder Kurs seine Blogs verfasst und dann gegenseitig gelesen und kommentiert wird. Da die Kurse einer Klassenstufe bei uns parallel liegen, würde ein Raumwechsel kein Problem sein.

3. Zerstörung

Leider fand während des Projekts der Abistreich statt. Dabei wurde durch ein paar Wasserspritzer ein Blog zerstört. Ein weiteres fiel nach Aussagen der Schüler von der Wand und landete im Müll. Ich war schockiert, dass offensichtlich Mitschüler und Abiturienten keine Rücksicht auf Schülerwerke nehmen. Sehr ärgerlich, weil ich es nicht verhindern konnte.

Beim nächsten Mal könnte ich die Blogs nach jeder Stunde einsammeln. Dann würde ich aber das Kommentieren außerhalb der Stunde unterbinden. Außerdem ist es ja nicht Sinn der Blogs, dass sie nur in den Französischstunden einsehbar und verfügbar sind. Denn ein Vorteil der ausgehängten Blogs war, dass als Hausaufgabe verfasste Artikel jederzeit ergänzt werden konnten.

Ich könnte mir diese Papierblogs auch gut im Rahmen einer simulation globale (eine Art Rollenspiel, bei die Schüler in ihren selbstgewählten Rollen vom Lehrer vorgegebene Situationen und Probleme bewältigen müssen, auf französisch natürlich) vorstellen, wo statt der Tagebücher Blogartikel geschrieben werden, oder als Ergänzung dazu, weil man ja nicht alles öffentlich stellen möchte.

Kategorie: Französisch | Tags:

Ein Papierblog erstellen

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Die Idee zu einem Papierblog hatte ich durch den Blog „The inspired classroom„. Dort findet man auch auch ein Bild von einem Klassenblog aus Papier.

Im Unterschied dazu soll es in meinem Französischkurs ein Blog je Gruppe geben, auf dem jeder seine Artikel schreibt. Um zu prüfen, ob das überhaupt möglich ist oder ob ich mir da zu viel überlegt habe, habe ich heute ein Papierblog so gebastelt, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mein Blog habe ich so aufgebaut, wie ich es auf „The inspired classroom“ gefunden hatte. Die Artikel werden auf bunten DIN A5-Blättern geschrieben und aufgeklebt. Darüber und darunter stehen die üblichen Blogpost-Angaben wie Überschrift, Autorenname, Veröffentlichungsdatum und Tags.

Hier das Material:

Mein erster Artikel beinhaltet die Blog-Vokabeln, in den weiteren Artikeln schreibe ich die Aufgaben. Dadurch brauche ich die Aufgaben nicht kopieren, sie sind ja (fast) jederzeit für die Schüler zugänglich. Wenn es Schwierigkeiten gibt, die außerhalb unseres Unterrichts auftreten (während des Unterrichts können sie ja mich fragen), können die Schüler einen Kommentar auf einem Klebezettel hinterlassen. Auf diese Art und Weise möchte ich auch am Ende ein Feedback sammeln.

So könnte ein Papierblog also aussehen:

Kategorie: Französisch | Tags: , ,

Ein Papierblog

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Für meine nächste und letzte Unterrichtseinheit in Französisch sollen die Schüler ein Märchen aus verschiedenen Perspektiven schreiben. Drei bis vier Schüler bilden eine Gruppe, die gemeinsam die Geschichte entwirft, jeder schreibt jedoch die Geschichte aus seiner (Rollen-)Sicht. Die Geschichte wird auf einem Papierblog (un blog en papier) gesammelt. Gegenüber einem digitalen Blog hat dies den Vorteil, dass diese den bekannten Plakaten entsprechen und ich keine Erlaubnis der Eltern benötige. Anders als bei den Plakaten steht hier auch die Entwicklung der Geschichte und ihre Kommentierung mit im Vordergrund.

Material:

– Flipchartpapier als Hintergrund, der kreativ gestaltet werden kann

– buntes Papier, auf A5 geschnitten, für die Artikel

– Klebezettel für die Kommentare

– Tesafilm, um alles zu befestigen

 

Am Wochenende fertige ich mein Papierblog an, auf dem alles Organisatorische (Vokabeln, Aufgaben, Beispielartikel,…) zu finden ist. Daran werde ich auch die Blogvokabeln erklären:

der/die/das Blog – le blog (= un journal de bord sur le web)

der Blogger, die Bloggerin – le blogueur, la blogueuse

der Blogtitel – le titre du blog

der Blogpost – l’article (m.)

der Post-Titel – le titre de l’article

der Autorenname – le nom de l’auteur

das Erscheinungsdatum – la date de parution

die Sidebar – la barre latérale

die Blogroll – la blogoliste

der Kommentar – le commentaire

der Link – le lien

der Tag (=Stichwort) – le mot-clé

der Icon – l’icône (f.)

das Bild – l’image (f.)

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Frankreich und die Schule

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Spiegel Online titelte heute: „Sozialisten in Frankreich planen 5-Tage-Woche für Schüler – Minister will Schülern freien Tag schenken“. Der spendable Politiker heißt Vincent Peillon, ist selbst Lehrer und wurde diese Woche von François Hollande zum französischen Bildungsminister ernannt.

Eine 5-Tage-Woche klingt zunächst typisch deutsch, ist sie aber nicht. Zur französischen Schulwoche gehört nämlich überlicherweise der Samstag dazu. Der normale Schultag eines Achtklässlers besteht aus vier langen Tagen mit Unterricht von 8 bis 17 Uhr, das entspricht 7 Unterrichtsstunden à 55 Minuten, und einem kurzen Tag, üblicherweise Mittwoch oder Samstag, mit Unterricht von 8 bis 12 Uhr, das entspricht 4 Stunden Unterricht. Darin enthalten sind allerdings auch mehrere Stunden sog. permanence, d.h. freies Arbeiten unter Aufsicht eines pion (das ist meist ein Student, der sich so ein paar Euros verdient, also nicht unbedingt eine pädagogische Fachkraft).

Aber auch an den Grundschulen, den écoles primaires, ist Nachmittagsunterricht in Frankreich nicht ungewöhnlich. Seit hier die 4-Tage-Woche gilt (seit 2008), haben französische Grundschüler montags, dienstags, donnerstags und freitags von 8.30 bis 16.30 Uhr Unterricht, mit zwei Stunden Mittagspause. Davor hatten sie jeden Samstag einen halben Tag Unterricht. An dem Nachmittagsunterricht setzt Peillon an. Denn lernpsychologisch ist ein geballter Unterricht nicht gut, gleichmäßig über die Woche verteilter Unterricht wäre besser. Daher setzt er sich für die 5-Tage-Woche ein. Doch er will es den Schulen überlassen, ob dafür der Mittwoch oder der Samstag Vormittag genutzt wird. Überzeugend soll auch das Argument sein, dass französische Schüler nur an 144 Tagen im Jahr Unterricht haben, alle anderen Länder mindestens 40 Tage mehr.

Nun ja, das zweite Argument folgt aus dem ersten: bei 144 Unterrichtstagen im Jahr haben die Schüler 144:4=36 Wochen Unterricht. Ein deutscher Schüler kommt bei 6 Wochen Sommer-, je 2 Wochen Frühjahrs-, Herbst- und Weihnachtsferien und diversen Feiertagen auf etwa 13 Wochen Ferien und damit auf 39 Wochen Unterrichtswochen. Damit ist kein allzu großer Unterschied erkennbar. Achja, Pieillon möchte zusätzlich noch zwei Wochen Sommerferien streichen, dadurch hätte ein französischer Schüler 38 Wochen Unterricht. Folglich hat ein französischer Schüler gleich viel Unterricht, nur an weniger Tagen.

Doch viele Eltern sind mit der 5-Tage-Woche nicht einverstanden. In den letzten Jahren konnten sie die Wochenenden ungestört mit ihren Kindern verbringen. Der Mittwoch konnte für Hobbys genutzt werden. Auch Scheidungskinder profitierten von dem freien Tag, da sie dafür das Wochenende für das andere Elternteil zur Verfügung hatten. Und wenn die Grundschüler etwas früher Schluss haben, wer betreut sie dann, bis die Eltern von der Arbeit zurückkommen?

Von der anderen Seite betrachtet, welcher deutsche Grundschüler könnte sich vorstellen, jeden Tag bis 16.30 Uhr in der Schule zu bleiben, um danach noch Hausaufgaben zu machen, nur um einen freien Tag in der Woche zu haben? Und würden deutsche Lehrer dann den Mittwoch als Fortbildungs- und Konferenztag nutzen?

Tests des Auswärtigen Amts

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Das Auswärtige Amt bietet zur Vorbereitung auf die Bewerbung auf einen Beruf im Auswärtigen Dienst einige Tests aus früheren Auswahlverfahren an. Da kann man seine Kenntnisse zu Sprachen (Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch, Chinesisch, Arabisch) testen, sein Allgemeinwissen überprüfen und sein Wissen über politische und rechtliche Kenntnisse bewerten lassen.

Die Sprachentests bestehen aus Lückentexten zum Vokabular und zur Grammatik. Beispielsweise geht es in Französisch um Fragewörter, Präpositionen, Konjugation und Pronomen.

Für den mittleren Dienst: (nur Englisch; mit Leseverstehen)

Für den gehobenen Dienst: (tw. mit Leseverstehen und Übersetzung)

Für den höheren Dienst: (tw. mit Übersetzung)

Für den höheren Dienst müssen auch Fachprüfungen in den Bereichen Allgemeinwissen, Völker-/Europa-/Staatsrecht, Geschichte und Politik sowie Wirtschaft abgelegt werden. Ein Lösungsbogen befindet sich ebenfalls auf der Seite. Zu den Sprachtests fehlen leider die Lösungen.

Ich finde die Aufgaben nicht besonders leicht für Schüler. Zu den Fachprüfungen würde ich daher die Schüler mit Hilfe des Internets arbeiten lassen, bei den Sprachprüfungen auch mit einem Wörterbuch, damit sie die Tests als Heraus- und nicht als Überforderung sehen.

Louis XIV, Molière, Lully

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Welche französischen Musikstücke sollte man kennen? 1. Les Champs-Elysées, 2. La Marseillaise, 3. Marche pour la Cérémonie des Turcs. Warum den Marsch? Er verknüpft drei Persönlichkeiten des 17. Jahrhunderts mit einer Geschichte:

Louis XIV empfing eines Tages einen türkischen Gesandten. Diesem bot er alles Spektakuläre, das teuerste Essen, die prachtvollsten Schmuckstücke und die zuvorkommendste Höflichkeit an, die er als absolutistischer Monarch bringen konnte. Doch der türkische Gesandte schien wenig beeindruckt zu sein. Dies erzürnte den Sonnenkönig sehr – wer wagte es da bloß, dem größten aller Herrscher so wenig Achtung entgegenzubringen? Es stellte sich (allerdings erst nach einiger Zeit) zufällig heraus, dass der Gesandte nicht wie erwartet der türkische Botschafter war, sondern nur ein niederer Mann, der um die Erlassung von Schulden bitten wollte. Um der Schmach, einem Mann von niederem Stand die Ehren eines Botschafters entgegengebracht zu haben, zu entkommen, bat er Jean-Baptiste Molière (der zu der Zeit noch in der Gunst des Königs stand), ein Stück zu schreiben, in dem sich über den Türken lustig gemacht wird. So entstand das Stück „Le bourgeois Gentilhomme“, in dem ein Mann sich für einen hohen Adligen hält, über den sich aber alle anderen lustig machen. Die Musik für das Stück schrieb Jean-Baptiste Lully (man kann Le bourgeois Gentilhomme als eine Art Musical des 17. Jahrhunderts ansehen). Insbesondere der Marche pour la Cérémonie des Turcs ist eine Veralberung des Türkengeschichte. Einen guten Eindruck dieser Szene bietet der Film „Le Roi danse“ aus dem Jahre 2000.

Dieser Marsch diente mir einer kurzen Einführung in Molières Leben, um meinen Französischkurs auf ein Marionettenspiel des Théâtre Anima vorzubereiten, in dem verschiedene Stück von Molière zu einem neuen zusammengesetzt wurden. (Obligatorisch darin: der geizige Stiefvater, die versuchte Zwangsheirat des eigenen Kindes, die versuchte eigene Heirat mit einem jungen Mädchen und das gute Ende, dass die wahre Liebe siegt.) Die Marionetten (eigentlich Halbkörpermasken) wurden dabei nur von einer einzigen Frau gespielt, die teilweise Französisch, teilweise deutsch sprach, jede Marionette mit einer anderen Stimme. Jede Rolle war so stark übertrieben, dass man einfach lachen musste! Wahnsinn!

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Sarkozy und die Lehrer

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Sarkozy geht im Wahlkampf um die Präsidentschaft gegen die Lehrer los. Er schlägt vor, dass Lehrer, die freiwillig 26 statt 18 Stunden arbeiten unterrichten, 25% mehr Gehalt bekommen sollen. Da könnte ja der deutsche Lehrer sagen, dass es endlich Gerechtigkeit in der Unterichtsverteilung gibt, der ja auch 23 und mehr Stunden unterrichtet.

Die Sache hat aber zwei Haken:

  1. 8 Stunden mehr unterrichten entspricht einer Erhöhung der Unterrichtsstundenzahl um 44,4%, also deutlich über der Gehaltserhöhung.
  2. Eine französische Unterrichtsstunde entspricht 55 Minuten, eine deutsche nur 45 Minuten. Ein französischer Lehrer mit einer Unterrichtsverpflichtung von 18 Stunden unterrichtet also 990 Minuten, ein deutscher Gymnasiallehrer in Niedersachsen bei einer Unterrichtsverpflichtung von 23,5 Stunden 1057,5 Minuten, d.h. gerade mal eine Stunde mehr. Die Erhöhung um 8 französische Unterrichtsstunden entspricht übrigens einer Erhöhung um fast 10 deutsche Unterrichtsstunden.

Traurig, wenn das Bild vom faulen Lehrer, der nur ein bisschen unterrichtet, in den Wahlkampf hineingetragen wird.